Ärztlicher Standesdünkel und Überheblichkeit; wenn Realismus Mangelware ist

Eigentlich war die Hoffnung da, dass man nun zu einer ruhigen und sachlichen Diskussion im Rahmen der Auseinandersetzung um die Kompetenzen des Notfallsanitäters zurückkehren würde. Offensichtlich haben so manche Holzköpfe jedoch einfach nur eine Weihnachtspause eingelegt.

Es geht im Folgenden nicht darum, Ärzte-Bashing zu betreiben. Denn an und für sich sollte klar sein, dass es auf beiden Seiten Gute und Schlechte gibt. Und auch wir wollen nicht im Ansatz das bestehende Notarztsystem in Frage stellen. Gut ausgebildetes ärztliches Personal ist wichtig. Es steht aber auch außer Frage, dass es in vielen Regionen zu wenige Notärzte, bzw. Notarzt besetzte Rettungsmittel gibt. All das ändert jedoch nichts daran, dass die rechtliche Situation des Notfallsanitäters mehr als bescheiden ist und sich die Ausübung des Berufes in aller Regel in einer Grauzone abspielt.

Die gestern im SWR, im Rahmen von SWR-AKTUELL (Sendung vom 03.01.2020), ausgestrahlte Stellungnahme der Landesärztekammer in Baden-Württemberg zu einer möglichen Änderung des Notfallsanitätergesetzes, setzt einen neuen Tiefpunkt bei der Frage, wie undifferenziert und am Thema vorbei, Diskussionsbeiträge sein können.

Diese Aussage macht sprachlos. Nicht nur, dass der Urheber offenbart, dass er offensichtlich so viel Ahnung von der Situation in Rettungsdienst hat, wie die Kuh vom Fliegen, er demonstriert vielmehr auch, was es heißt, eine Diskussion mit sachlichen Beiträgen zu verschonen.

Diese Aussage ist aber auch eine Herabwürdigung aller Notfallsanitäter und offenbart eine deutlich negative Wertschätzung unserer Berufsgruppe gegenüber, was beschämend und mehr als enttäuschend ist. Gute und am Patienten orientierte präklinische Versorgung kann immer nur gemeinsam erfolgen. Rettungsdienst ist und bleibt ein Teamsport. Ein Team in dem jeder seinen Platz, aber auch seine gesetzliche Berechtigung haben sollte.

Eine Änderung ist dringend erforderlich, da es nicht Kernbereich eines Berufes sein kann, sich bei Erfüllung der beruflichen Kompetenzen in einer rechtlichen Grauzone bewegen zu müssen. Wir hoffen daher sehr, dass die begonnene Auseinandersetzung zwischen den einzelnen Beteiligten kontrovers, aber sachlich erfolgen kann und sich nicht durch solch geistige Tiefflüge torpediert lässt.

Glücklicherweise erkennen die ärztlichen Verbände, welche deutlich näher am Puls des Rettungsdienstes sind, als es die Landesärztekammer Baden-Württemberg zu sein scheint, das Kernproblem. Das gibt Hoffnung.

2 Gedanken zu „Ärztlicher Standesdünkel und Überheblichkeit; wenn Realismus Mangelware ist

  1. Ich bin Notärztin im ländlichen Bereich und sehr froh, dass jetzt so gut ausgebildete NFS nachrücken.Zum einen stellen sie mir viele Fragen über Routineabläufe, über die ich mir schon lange keine Gedanken mehr gemacht habe – das bringt mich zum Nachdenken und das finde ich gut. Zum anderen weiß ich unsere Patienten gut aufgehoben. Und – ein sehr wesentlicher Faktor – sie sind gerade in komplexen Szenarien ein unschätzbarer Gewinn für den Erfolg.
    Sollte ein NFS mal übers Ziel hinaus schießen, bespreche ich das ganz sachlich und fachlich. Allerdings habe ich mit tumben Kollegen, die immer nur auf die NÄ warten wollen, mehr Herausforderungen.
    Also ist es doch sehr schade, dass die Länder bzw. die ÄLRD sich (noch) nicht einigen. Ich bin aber zuversichtlich, dass das zeitnah kommt.

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  2. Pingback: Schwarz-Weiß-Malerei ist einfach – „die Guten ins Töpfen, die Schlechten ins Kröpfchen“ – zumindest im Märchen | Die Rettungsaffen

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